Menschen und Sicherheit

Nach den Weihnachtstagen frage ich mich immer, warum viele Menschen so viel gegen Sicherheit haben? Auf der einen Seite halten sie schon das Lastschriftverfahren für zu unsicher, als dass man es verwenden könnte (man kann Amazon ja nicht trauen...) und Homebanking wird in deren Vorstellungen ja auch dauernd gehackt, ohne dass der Benutzer was dafür kann. Das ganze Internet gilt als unsicher und gefährlich. Am liebsten würden sie es gar nicht nutzen... das einzige was diese Menschen noch viel weniger nutzen möchten und als noch viel schlimmer als das Internet ansehen sind Sicherheitsmaßnahmen.

Ich habe früher gelernt, dass man auf Geld, Schlüssel und Ausweispapiere gut aufpassen soll. Wenn du deinen Schlüssel verlierst, sollte man das Schloss auswechseln, weil es könnte sein, dass jemand herausfindet zu welchen Haus der Schlüssel gehört und dort einbricht. Das hab von den selben Menschen gelernt, die
einen doof angucken, wenn man denen erzählt, dass es nicht gut ist PIN und Karte zusammen in der Brieftasche aufzubewahren. "Ich merk mir doch nicht noch einen PIN" (also einen zweiten... bei zwei Karten) kommt dann als Antwort. Dass man damit sich und sein Geld schützt, ist oft nicht wirklich rüber zu bringen. PINs sind eine Gängelung des Kunden durch die Banken. Er wird nur gesehen, dass die Banken einen zwingen einen PIN auswendig zu lernen. Der Sinn und Zweck dahinter wird oft nicht mal versucht zu erfassen. Wobei momentan EC-Karten bei vielen sowie so als absolut unsicher gelten, seit man damit kontaktlos bezahlen kann. Da muss ja nur jemand in der Nähe sein und schon ist das eigene Bankkonto leer geräumt. Also auf jeden Fall solche Schutzhüllen für die Karten kaufen. Auch für alte Karten, die gar kein NFC/RFID können, weil man kann sich nicht sicher sein, dass nicht doch jemand es mit so einem Lesegerät hinbekommt, das Konto leer zu räumen. Kontaktloses Bezahlen ist also kein extra implementiertes Feature sondern eine Sicherheitslücke die in einigen Karten vorkommt (und man kann sich nicht sicher sein ob man betroffen ist).

Aber eines der schlimmsten Dinge, die in den letzten Monaten passiert ist und viele Menschen wirklich extrem geschockt hat und den Glauben an die Sicherheit der Banking-System hat verlieren lassen, war PSD2. Viele trauen sich nicht mehr Homebanking zu benutzen oder sind gar nicht mehr in der Lage dazu... weil eine zusätzliche Sicherheitsabfrage beim Login auftaucht. Wie schaltet man das ab? - Garnicht? Weil es gut ist, dass man eine 2-factor Auth auch beim Banking hat?
Allein die Abschaffung der TAN-Listen (ich war eher gesagt geschockt, dass einige Banken, die immer noch hatten) war hart. SMS-TAN ging irgendwie noch, auch wenn dem Handy (nicht Smartphone!) auch nicht wirklich getraut wurde. TANs die nicht festgeschrieben sind und geklaut werden können... denen kann man nicht trauen. Aber wenn dann noch SMS-TAN abgeschafft wird (weil SMS-Nachrichten eben nicht verschlüsselt sind) kommen viele an den Punkt, wo für die Homebanking absolut nicht mehr nutzbar wird. Foto-TAN oder noch viel schlimmer eine Smartphone-App mit Push-Benachrichtigung und Fingerabdruckscanner.
Da ist das Vertrauen dann ganz weg. Die Lösungen sind nicht komplizierter zu nutzen (teilweise sogar einfacher), ihnen wird nur nicht mehr getraut und deswegen werden sie nicht mehr benutzt. Je sicherer etwas wird, desto unverständlicher ist es für die meisten und desto größer auch die instinktive Ablehnung dagegen.
Die beste Lösung für viele war die einfache TAN-Liste. iTAN war schon etwas seltsam... weil vorher weiß die Bank (die die Liste gedruckt und mir zugeschickt hat) welche TAN hinter welcher Nummer auf MEINEM Zettel stehen?

Fazit:
Desto sicherer ein System ist, desto mehr Menschen werden versuchen es zu meiden oder zu umgehen, weil viele Menschen unsicheren Systemen mehr vertrauen als sicheren Systemen.
User annonyme 2020-01-06 13:55

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