Selbstversuch: Ein 300 EUR PC

300 Euro ist bei PCs ein seltsames schwarzes Loch. Man kann gut was darunter bauen, in dem man APUs verbaut und man kann noch viel einfacher ein einen teureren PC zusammen bauen. Bei 300 Euro ist die Grenze zwischen "einfachen" PC und "leistungsfähigen" PC, der auch für Spiele und mal ein paar Docker-Container mehr geeignet ist. Bei neuwertigen Komponenten kommt man nicht um die APUs von AMD herum. Ein Ryzen 3 3200G kostet um die 90 Euro und bringt eine brauchbare 4-Core CPU (ohne SMT) und eine GPU (die viel schneller als die Intel iGPUs ist) mit. Ein günstiges Mainboard und man hat einen netten kleinen PC. Aber er ist eben nur nett und nicht gut. Da fehlt ein klein wenig dazu und dann ist man schon wieder gleich bei um die 500 Euro.

Also dachte ich mir, ich versuche es mit zu meist gebrauchten Komponenten und will etwas was über einem 3200G liegt. Er sollte schneller sein als mein PC von 2010. Klingt leicht, ist aber am Ende gar nicht so einfach, weil gute Komponenten von 2012-2014 auch heute noch sehr gut mit günstigen modernen Komponenten mithalten können. Es ist echt deprimierend wie wenig Mehrleistung man für doch relativ viel Geld nur bekommt.

Basis des ganzen PC ist ein Proof-Of-Concept Versuch mit einem chinesischen X99 Mainboard mit Sockel 2011-3. Alle Boards mit diesem Sockel sind noch extrem teuer. Selbst von Gigabyte oder Asus bekommt man nichts günstiges... von Supermicro und Intel brauchen wir erst gar nicht reden. Ich wollte einfach mal wissen, ob diese Mainboards aus China wirklich laufen, da sie vieles kombinieren, was es sonst so teilweise nicht gab. M.2-Slots auf solchen Boards zum Beispiel.

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Dann hatte ich noch eine alte HP x4000 Workstation, deren Gehäuse ich schon immer sehr gemocht habe und gerne weiter benutzen wollte. Der Lack war teilweise ab und der Frontpanel-Anschluss passt wohl nur auf ein Tyan Thunder i860. Aber es gibt ja Lack im Baumarkt und Kabel beim Amazon um den Frontpanel-Connector Kabel für Kabel zu adaptieren. Die Belegung konnte ich einfach im Handbuch des Mainboard nachlesen.

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Nach viel hin und her kam dann ein E5-2620 v3 für 20 Euro aus China hinzu. War relativ günstig und ich hatte etwas Angst einen teureren Prozessor zu verwenden, weil ich mir nicht sicher war, wie sich das alte Netzteil aus der x4000 verhalten würde. Ich ging einfach davon aus, dass es ein normales ATX-Netzteil ist. Später stellte sich heraus, dass der 8pin 12V Anschluss nicht lang genug war und anstelle eines weiteren Adapters zusätzlich zu den Adaptern für die Grafikkarte, kaufte ich für 20 Euro einfach ein älteres BeQuiet Netzteil, wo ich alles ohne zusätzliche Adapter anschließen konnte. Bei der Grafikkarte wollte ich eigentlich eine RX480 oder RX570 haben, aber am Ende wurde es eine GTX 970 für 60 Eur. 32GB DDR4 ECC Speicher kam auch hinzu. 16GB ist für heutige Anwendungen einfach zu wenig. Als Kühler für den Sockel 2011-3 hab ich einen ARCTIC Freezer 33 eSports ONE der wohl auch seine Arbeit ganz gut erledigt.

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Eine Geschichte von viel Glück und Inkompetenz brachte mir zwei Samsung 512GB NVMe SSDs für je 16,20 Euro ein. Echt schnell und ausreichend groß... gerade für den Preis. Ist zwar Lenovo-OEM aber scheinen trotzdem nicht die langsamsten zu sein.

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Bis jetzt läuft der PC sehr gut und ist ungefähr so schnell wie mein alter 2x L5639, nur die Grafikkarte ist bei dem neuen schneller als die alte Radeon 7950. Eine CPU leistet also an sich so viel wie vorher zwei, hat aber auch nur den Stromverbrauch einer der CPUs. Wer also mit China-Boards ein günstiges System bauen möchte, sollte nicht mehr mit dem Sockel 1366 anfangen, sondern eher dual 2011 oder ein single CPU 2011-3 System mit aktuelleren CPUs aufbauen. Aber mit den modernen Ryzen Zen2 CPUs von AMD ist es echt schwer geworden mit gebrauchten Komponenten preismäßig mithalten zu können. Man bekommt einfach heute extrem viel Leistung für extrem wenig Geld.

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Specs:
Mainboard 70 EUR
Zubehör 20 EUR
32GB RAM 85 EUR
E5-2620 v3 22 EUR
Kühler 16 EUR
Gehäuselüfter 9 EUR
SSD 512GB NVMe 16 EUR
GTX 970 60 EUR
Gehäuse 0 EUR
Netzteil 20 EUR
User annonyme 2020-02-07 19:55

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