Mich interessiert schon lange, welche Erfahrungen andere Menschen mit AI machen. Dabei geht es mir nicht nur um Entwickler, auch wenn die Geschichten aus der Softwareentwicklung für mich natürlich besonders spannend sind. Vielleicht gerade deshalb, weil ich selbst Entwickler bin. In letzter Zeit begegnen mir immer häufiger Beiträge von Entwicklern, die wieder mehr Abstand von AI nehmen wollen, weil sie angeblich langsamer geworden sind, die Code-Qualität leidet oder plötzlich überall Sicherheitslücken auftauchen.
Ich selbst habe in den letzten Jahren in vielen verschiedenen Firmen gearbeitet. Ich habe Projekte komplett alleine umgesetzt, kleine Teams geleitet, Aufgaben für Junior-Entwickler vorbereitet und Diskussionen mit anderen Senior-Entwicklern geführt. Dadurch habe ich sehr unterschiedliche Arbeitsweisen gesehen und vor allem gelernt, wie unterschiedlich Menschen mit Qualität, Verantwortung und Prozessen umgehen.
Ich versuche heute, AI so viel wie möglich und gleichzeitig sinnvoll einzusetzen. Wenn ich einen einzelnen CSS-Wert ändern muss, mache ich das selbst, weil es einfach schneller geht. Wenn ich aber ein riesiges Formular bauen muss, dessen Felder ohnehin schon feststehen, lasse ich die AI den Großteil generieren. Solcher Code ist selten komplex, aber zeitaufwendig. Das gleiche gilt für Twig-Templates, die Daten aus einem Formular in eine PDF übertragen. Das ist meist eine primitive 1:1-Abbildung, bei der die AI einfach schneller ist als ich. Auch PHP-Code lasse ich so weit wie möglich generieren, korrigiere aber kleine Dinge selbst oder gebe der AI gezielte Vorgaben, damit sie in die richtige Richtung arbeitet.
Trotzdem liest man immer häufiger, dass Entwickler AI wieder ablehnen. Oft kommt dann der Zusatz, man würde AI ja schon „seit ChatGPT angefangen hat“ nutzen. Das klingt erstmal nach Erfahrung, sagt aber eigentlich nichts aus. Die Qualität heutiger Modelle hat mit den ersten Versionen kaum noch etwas gemeinsam. Prompts sind einfacher geworden, der Output deutlich besser und viele Probleme von damals existieren heute schlicht nicht mehr. Die Aussage soll Kompetenz vermitteln, obwohl sie inhaltlich wenig Wert hat. Entwickler, die seit Jahren AI nutzen, erzeugen nicht automatisch besseren Output als jemand, der erst vor zwei Wochen angefangen hat.
Ein weiteres häufiges Argument ist, dass AI zwar schnell Code produziert, man sich den Code danach aber noch anschauen müsse. Für mich klingt das oft so, als hätten manche Entwickler früher einfach ihren eigenen Code geschrieben und ihn direkt als „fertig“ betrachtet, nur weil sie ihn selbst erzeugt haben. Sobald AI beteiligt ist, muss der Code plötzlich verstanden und geprüft werden — und das kostet Zeit. Persönlich kenne ich es eigentlich nur aus Projekten, an denen ich komplett alleine gearbeitet habe, dass ich meinen eigenen Code selbst überprüft habe. Meistens einfach deshalb, weil niemand anderes da war. Denn eigentlich ist man selbst nicht dafür geeignet, den eigenen Code abzunehmen.
Code-Reviews sind nichts Neues. Sie sollten immer stattfinden, egal ob der Code von einem anderen Entwickler oder von einer AI stammt. Wer Reviews jetzt plötzlich als zusätzliche Belastung wahrnimmt, hat vermutlich vorher schon keine vernünftigen Reviews gemacht. Für mich liegt genau dort das eigentliche Problem.
Ähnlich ist es beim Refactoring von altem AI-generiertem Code, der sich später als schlecht oder fehleranfällig herausstellt. Die Definition von gutem Code hat sich nicht plötzlich geändert. Warum fällt also erst jetzt auf, dass der Code problematisch ist? Hat ihn vorher niemand angesehen? Wahrscheinlich hätte ein ordentliches Review vieles verhindert. Dazu kommt, dass die Qualität heutiger AI-Modelle im Vergleich zu vor einem Jahr massiv gestiegen ist. Fehler, die man damals gemacht hat, kann man nicht der heutigen AI anlasten.
Besonders spannend finde ich die Diskussion rund um Sicherheitslücken und offene Datenbanken. Viele dieser Geschichten wirken auf mich weniger wie ein AI-Problem und mehr wie ein Problem von Menschen, die sich mit Entwicklung nicht ausreichend auskennen und den erzeugten Code nie überprüft haben. Wer die Grundlagen nicht versteht, liefert meist auch schlechte oder inkonsistente Prompts. Vielleicht wäre oft sogar ein einfacherer Prompt besser gewesen, weil moderne AI-Systeme standardmäßig eher versuchen, sichere Patterns zu verwenden. Keine AI schreibt absichtlich Code, der SQL-Injections erlaubt, wenn stattdessen Prepared Statements oder Framework-Lösungen möglich sind.
Ich würde sogar behaupten, dass viele dieser Leute auch ohne AI massive Sicherheitsprobleme gebaut hätten. Der Unterschied ist nur, dass AI jetzt sichtbar macht, wie schlecht manche Entwicklungsprozesse vorher schon waren. Ironischerweise hätte man viele dieser Sicherheitsprobleme sogar direkt wieder mit AI finden können, denn genau dafür eignet sie sich inzwischen ebenfalls erstaunlich gut.
Neulich habe ich außerdem wieder Diskussionen über angeblich enttäuschende Ergebnisse bei Anthropic gelesen. Dort wurde kritisiert, dass die gefundenen Sicherheitslücken alle auch von Menschen hätten entdeckt werden können. Das erinnert mich stark an Aussagen wie: „Diese Idee hätte ich auch haben können.“ Ja, vielleicht. Aber du hast sie eben nicht gehabt. Niemand behauptet, dass AI Dinge kann, die grundsätzlich außerhalb menschlicher Fähigkeiten liegen. Der Punkt ist doch vielmehr, dass die AI diese Sicherheitslücken tatsächlich gefunden hat — und zwar schnell. Zu behaupten, eine AI sei schlecht, weil sie etwas nicht kann, was ihr Hersteller nie versprochen hat, ist kein sinnvolles Argument.
Am Ende tut AI genau das, was sie soll. Mal besser, mal schlechter als ein Mensch. Aber fast immer deutlich schneller. Und meiner persönlichen Erfahrung nach oft auch qualitativ besser, zumindest bei vielen alltäglichen Aufgaben. Solange man vernünftige Code-Reviews macht, regelmäßig committet und sich den Output anschaut, ist AI eine enorme Hilfe.
Wer erwartet, dass man einen einzigen Prompt eingibt und danach perfekte, fehlerfreie Software entsteht, erwartet schlicht das Falsche. Und wer glaubt, Menschen würden weniger Fehler machen oder weniger halluzinieren als AI, der braucht vielleicht einfach mal wieder eine kleine Portion Realität.